Wohl alle im Quartier und darüber hinaus kennen es, das Husumhus in der Neustadt 83 bis 93. Und der Name zeigt es schon: Hier, wie in den Nachbargebäuden Nummer 81 und Nummer 95, geht es dänisch zu. Ein Rundgang mit Peter Hansen bietet einen Blick hinter die Kulissen.
Neustadt 95: In diesem weißen Haus befindet sich die Keimzelle des dänischen Lebens auf der Husumer Neustadt. „Hier ist der ursprüngliche Husumhus“, sagt er. Einer seiner Vorgänger hat es in den 1950er Jahren für diesen Zweck gekauft.

Peter – man ist, wie in Dänemark üblich, per du – ist „Amtskonsulent“ (im Deutschen würde man wohl sagen Kreissekretär) des Sydslesvigsk Forening (SSF) für die Region Sydvest. Von seinem Büro mit Blick auf ein ausladendes Wandgemälde aus steuert er, gemeinsam mit einer Kollegin, das soziale und kulturelle Leben der dänischen Minderheit im Raum Husum und Umland sowie Eiderstedt (siehe Infokasten unten). In Zusammenarbeit mit dem SSF-Kreisverband und den Ortsverbänden plant und organisiert er Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Region sowie im Husumhus. Eine ganze Plakatwand zeigt die Bandbreite der kulturellen Events, vom alljährlichen Jahrestreffen (Årsmøde) bis zu Konzerten.

Da sind wir schon in der Neustadt 83 bis 93, im Husumhus – „in einem Wort geschrieben“, betont Peter. Sechs Hausnummern, denn die Neustadt war in früheren Zeiten kleinteilig bebaut. Mitte der 1975er Jahre entstand hier, neben dem Haus Nummer 81, eben dieses Husumhus. Mit seinen Sitzungsräumen und dem Veranstaltungssaal ist es, neben Flensborghus und Slesvighus, eines der drei großen regionalen Zentren der dänischen Minderheit.

Neben Versammlungen öffnet das Haus seine Türen bei eigenen Veranstaltungen vom Tangoabend bis zum Tanztheater nicht nur für Mitglieder der dänischen Minderheit, sondern für alle, die kommen mögen. Zudem wird das Husumhus, inklusive kompletter Technik und Ausstattung, an andere Veranstalter vermietet; unter anderem ist es auch Spielort des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters mit zwischen 10 und 15 Terminen pro Jahr. Bis zu 380 Menschen finden in den ansteigenden Stuhlreihen Platz und bis zu 200 an Tischen und Stühlen, wenn die Stufen abgesenkt sind.

Schließlich die Neustadt 81, das Backsteingebäude südlich vom Husumhus. Hier wird Politik gemacht: Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW, dänisch Sydslesvigsk Vælgerforening) ist an dieser Adresse zu finden, genauer gesagt der Kreisverband für Nordfriesland und Helgoland mit Sekretär Helge Harder, außerdem das Wahlkreisbüro der nordfriesischen SSW-Landtagsabgeordneten Sybilla Lena Nitsch.
Und, ein wichtiger Faktor im dänischen Kulturleben: die Husum Bibliotek, ein Ableger der „Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig“. Hinter den Fenstern mit den vielen bunten Papierfiguren, im Reich von Inge Marie und ihren Kolleginnen, gibt es (fast) alles, was das Herz von dänisch-sprachigen Medienfans begehrt: Bücher von Krimis und historischen Werken über Graphic Novels bis zu Leitfäden zum Erlernen der dänischen Sprache; DVDs, CDs, Brettspiele und Hörbücher, Tageszeitungen (einige auch in deutscher Sprache) und Illustrierte. Es gibt einen Leseraum, zwei Computerarbeitsplätze und jeden Donnerstag ab 10 Uhr Klönschnack im „KIK-Ind-Café“.


Vor allem gibt es eine Vielfalt an Angeboten und Aktivitäten für Kinder: Bilder- und Lehrbücher, regelmäßige Vorlesestunden für ganze Schulklassen, Leseabend … und für Erwachsene Dänischkurse sowie einmal monatlich einen Lesekreis. Eine Besucherin, die regelmäßig kommt, bringt das Ambiente mit einem Satz auf den Punkt: „Hier ist es ruhig und gemütlich.“
Text und Fotos: Heike Wells
Der Sydslesvigsk Forening Der SSF (Südschleswigscher Verein) ist der Dachverband der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein und mit rund 16.000 Mitgliedern deren Hauptorganisation. Seine Struktur folgt nicht der der Kreise im Landesteil Südschleswig, sondern ist eingeteilt in sechs Regionen („amter“ genannt). In Nordfriesland sind dies Südtondern und Amt Sydvest (die ehemaligen Kreise Husum und Eiderstedt), darüber hinaus Stadt Flensburg, Flensburg Land, Gottorf (Region Schleswig) sowie Rendsburg-SSF- Mitgliedern.
Die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein Rund 50.000 Menschen zählen sich zur dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Hintergrund ist die Tatsache, dass der nördliche Teil Schleswig-Holsteins, der Landesteil Südschleswig also, bis 1864 zu Dänemark gehörte. „Ein Teil der Menschen zwischen Flensburg und Rendsburg hält weiterhin an der dänischen Sprache und Kultur fest.“, heißt es dazu auf der Website des SSF. Das sind sowohl Menschen, die mit dänischer Muttersprache aufgewachsen sind, als auch solche, die die Sprache im Kindergarten und der Schule lernen, wenn ihre Eltern oder ein Elternteil einen deutschen Hintergrund haben. In der Regel haben die Betreffenden einen deutschen Pass, entscheiden sich dabei aktiv für eine Zugehörigkeit zur dänischen Minderheit. Diese pflegt einen engen Austausch mit Dänemark und wird vom dänischen Staat finanziell unterstützt.
Quelle: Website des SSF