Wohl ganz Husum, ob Teenie oder Oldie, Kneipenfan oder nicht, kennt sie, die Blockhütte. Sie ist eine Institution weit über das Quartier und die Grenzen der Kreisstadt hinaus. Und sie ist eine der wenigen noch verbliebenen Adressen für Nachtschwärmer auf der ehemals turbulenten Kneipenmeile Neustadt. Mit der Blockhütte ist auch ihr Inhaber Hans-Werner Junghanns eine Konstante in Zeiten des Wandels.
Junghans, von vielen kurz H-W genannt, ist ein echter Norddeutscher: geboren 1958 in Heide, nach einigen Umzügen mit 20 Jahren Husumer geworden; Automatenaufsteller wie sein Vater und, nach einigen Jahren im Angestelltenverhältnis, als solcher selbstständig; schließlich, eher durch einen Zufall, auch noch Kneipier.
Wann genau das war? „Da müsste ich in den Büchern nachschauen“, lacht Junghanns. Auf jeden Fall sind es mehr als 30 Jahre, in denen er hier zwar nicht hinter dem Tresen, aber hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hält. Zunächst war er Pächter, später Eigentümer des Gebäudes, in dem sich in Nachkriegszeiten einmal der Verkaufsraum eines Mercedeshändlers befunden hatte.

Diese Zeiten sind längst vorbei und auch die, in denen die Neustadt bis tief in die Nacht beliebt und belebt war. Hans-Werner Junghanns sieht vor allem den Einzug von Computer und Handy als Ursache für den Wandel. „Wir haben uns früher hier getroffen und sind losgezogen, jetzt sitzen viele zu Hause, sind m Internet oder sozialen Medien unterwegs“ – unterwegs nur noch virtuell, nicht mehr real.
Auch in der Blockhütte selbst hat sich einiges verändert. Räumlich, zum Beispiel durch den Bau eines Raucherraumes wegen neuer gesetzlicher Vorschriften, auch personell. Und doch findet, wer hier länger nicht war, hinter der dunklen Tür immer noch die „alte“ Blockhütte: den langen Tresen, die Schilder und Tafeln an den rauen Holzwänden, die schummerige Beleuchtung, den Billard-Tisch im Nebenraum … Auch vom Personal sind einige seit Langem an Bord.

Ist diese Parallelität von Veränderung und Tradition der Grund, warum die Blockhütte sich über die Zeit und Generationen hinweg behauptet hat? „Mag sein – und dass wir täglich daran arbeiten, dass die Leute gern hier sind“, sagt Gastwirt Junghanns. Zudem lasse auch die Getränkeauswahl nur wenige Wünsche offen.
Apropos Wünsche: Welche hat er als gewerbetreibender „Neustädter“ in Sachen Entwicklung des Quartiers, in dem er bis vor 20 Jahren selbst lange gewohnt hat? Er habe den Eindruck, die Neustadt solle zu einer Wohnstraße und das ganze Viertel zu einer „Schlafstadt“ werden. Wo, fragt Hans-Werner Junghanns, bleibe da Platz, wo liege die Zukunft der Gewerbetreibenden, von denen es hier mehr gebe als auf den ersten Blick zu erkennen?
Mit 68 Jahren ist der Unternehmer längst Rentner – arbeitet aber weiterhin, als Automatenaufsteller und als Kneipeninhaber. Wie kommt’s? Für H-W keine Frage: „Es macht mir immer noch Spaß, und so lange mach ich auch weiter …“
Text und Fotos: Heike Wells