Worum ging es beim Verkehrsversuch?
Ziel war es, den sogenannten Durchgangsverkehr im Quartier zu verringern. Das heißt: Autofahrende, die zum Einkaufen oder Parken in die Obere Neustadt wollen, können das weiterhin tun. Menschen, die das Quartier nur als Abkürzungsroute nutzen, sollten wenn möglich mit ihrem Auto außen herum fahren.
Außerdem sollte die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Das heißt durch weniger Abgase, weniger Lärm und in Zukunft auch mehr Platz für Fußgänger:innen, wird das Spazieren gehen, Einkaufen und Essen gehen in der Neustadt angenehmer.
Hintergrund ist ein bekanntes Problem: Ein großer Teil des Verkehrs in der Neustadt ist reiner Durchgangsverkehr. In einem historisch gewachsenen, engen Quartier führt das zu mehr Lärm, geringerer Verkehrssicherheit und weniger Raum für Aufenthalt. Bereits im "Integrierten Entwicklungskonzept" - einem Plan für die Zukunft der Oberen Neustadt - ist daher festgehalten, dass die Neustadt als Abkürzungsroute für den Autoverkehr unattraktiver und dafür als Aufenthaltsort attraktiver gemacht werden soll.
Kern des Verkehrsversuchs war daher eine veränderte Einbahnstraßenregelung, die einige alteingesessene Husumer noch von früher kennen werden. Zunächst wurde die Fahrtrichtung zwischen Nordbahnhofstraße und Schlossstraße umgekehrt. Ergänzend galt zwischen Schlossstraße und Wasserturm eine Einbahnstraßenregelung in entgegengesetzter Richtung. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle Grundstücke trotzdem mit dem Auto erreichbar bleiben. Busse sowie der Radverkehr waren von den Änderungen ausgenommen.
Rückblick: Warum wurde der Verkehrsversuch im Dezember verändert?
Die Maßnahmen zielten darauf ab, insbesondere Autofahrer:innen gezielt zu lenken und den Durchgangsverkehr zu reduzieren. Gleichzeitig sollte Raum für neue Qualitäten im Quartier entstehen: mehr Ruhe, mehr Sicherheit und langfristig auch mehr Möglichkeiten für die Nutzung des öffentlichen Raums, etwa durch Außengastronomie, breitere Gehwege oder mehr Begrünung. Der Versuch machte jedoch auch deutlich, wie komplex Verkehrsplanung ist: Während die Verkehrsberuhigung vielerorts positiv bemerkbar wurde, entstanden an anderer Stelle neue Herausforderungen im Verkehrsfluss.
Stimmen aus dem Quartier: Zustimmung und Kritik
Zur Halbzeit des Verkehrsversuchs hat das Quartiersmanagement Stimmen aus dem Quartier eingeholt. Das Bild war gemischt: mit klaren positiven, aber auch kritischen Rückmeldungen.
Einige Anwohner:innen nahmen vor allem die Entlastung wahr: „Viele empfinden die Verkehrsberuhigung als klare Verbesserung."
Auch die neue Ruhe wurde als Chance gesehen, den öffentlichen Raum anders zu nutzen: „Lasst uns die neue Ruhe nutzen und die Neustadt gemeinsam beleben.“
Gleichzeitig wurden Probleme benannt. Einige berichteten von Belastungen zu Stoßzeiten: „Zu Stoßzeiten kommt es an zentralen Knotenpunkten zu Staus.“
Auch aus dem Gewerbe kamen kritische Stimmen: „Die Umsätze sind spürbar zurückgegangen, weil Lieferfahrten komplizierter geworden sind.“
Diese unterschiedlichen Perspektiven zeigen das zentrale Spannungsfeld: mehr Lebensqualität im Quartier auf der einen Seite und gute Erreichbarkeit und funktionierende Verkehrsabläufe auf der anderen. Und: der Verkehrsversuch machte auch Probleme in der Verkehrsführung sichtbar, die bereits weit vor der Oberen Neustadt beginnen und hier vor Ort nicht gelöst werden können.

Nachjustierung: Reaktion der Stadt
Auf Grundlage erster Auswertungen und Rückmeldungen reagierte die Stadt noch während des laufenden Versuchs. Mitte Dezember wurde die Verkehrsführung angepasst. Konkret wurde die Umkehrung der Einbahnstraßenregelung zwischen Nordbahnhofstraße und Schlossstraße wieder aufgehoben. Seitdem ist es wieder möglich, von der Nordbahnhofstraße nach links in die Obere Neustadt einzufahren.
Bürgermeister Martin Kindl betonte: „Der Verkehrsversuch hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig nehmen wir sehr ernst, dass es an anderer Stelle zu Problemen gekommen ist.“
Die angepasste Regelung wurde weiterhin beobachtet und ausgewertet. Sie bewährte sich auch unter hoher Belastung – etwa bei größeren Veranstaltungen mit vielen Besucher:innen.

Wie geht es weiter nach dem Verkehrsversuch?
Nach Abschluss des Verkehrsversuchs zieht die Stadt eine insgesamt positive Bilanz. Besonders die angepasste Verkehrsführung habe sich bewährt und soll künftig beibehalten werden. Die Erkenntnisse aus dem Versuch fließen nun in den nächsten Entwurf des geplanten Mobilitätskonzepts ein. Dieser Plan verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Verkehrsführung, Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und Sicherheit sollen gemeinsam gedacht und schrittweise umgesetzt werden.
Der Verkehrsversuch zeigt vor allem eines: Veränderungen im Verkehr wirken nicht sofort und nicht überall gleich. Sie müssen getestet, angepasst und weiterentwickelt werden.
Langfristig geht es um mehr als Verkehrslenkung. Es geht um die Frage, wie die Neustadt künftig genutzt werden kann: als Durchfahrtsraum oder als lebendiges Quartier mit mehr Platz für Aufenthalt, Begegnung und neue Möglichkeiten.
Text: Quartiersmanagement