Ein wichtiges Stück Geschichte der Oberen Neustadt hat den Weg an seinen ursprünglichen Standort zurückgefunden: Der historische Tierbrunnen, in früheren Zeiten Zentrum des Husumer Viehmarktes, ist wieder da. Er schmückt jetzt den Innenhofzwischen dem Kreishausrund-und dem neuen Anbau – augenfällig für alle Gäste beim kürzlichen Tag der offenen Tür.„Das denkmalgeschützte Bauwerk erinnert an die lange Tradition Husums als bedeutender Viehhandelsplatz“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt.
Eine, die sich seit Langem dafür einsetzt, dass diese Tradition und damit auch die Geschichte des Quartiers Obere Neustadtlebendig bleibt, ist Anke Steensbeck vom GF Atelier. So hatte sie in einer Mail an den Landrat Florian Lorenzen angefragt, „ob der Vorplatz des neuen Kreishausanbaus daran erinnern wird – durch Infotafeln und vielleicht auch durch den Brunnen, der viele Jahre am Kuhsteig stand –, dass sich genau an dem Ort … der größte Viehmarkt Nordeuropas befand.“
Mit ihrem Anliegen hat die Husumerin beim Kreis und auch dem Landrat persönlich offenbar offene Türen eingerannt. Er teile die Meinung, „nach der wir alle die Erinnerung an den historischen Viehmarkt bewahren sollten“, schrieb Lorenzen zurück, und weiter: „Unsere Kreisgremien haben die Idee, diese Tiertränke auf dem Gelände des Kreishauses zu präsentieren, bereits im Jahr 2021 aufgenommen.“ Der Standort sei mit der Stadt abgesprochen.

Dort weiß man folgende Details über das historische Stück: Angeschafft hatte es der Magistrat der Stadt im Jahr 1902 für den damaligen Viehmarkt, um Tiere und Menschen mit frischem Wasser zu versorgen. Das untere, flache Wasserbecken an der reich verzierten Säule diente als Tränke für Hunde, das große mittlere für Pferde und die obere Schale für Vögel; zwei Löwenköpfe fungierten als Wasserspeier. Auch an die zweibeinigen Marktbesucher war gedacht: „Ursprünglich befanden sich außerdem Trinkbecher an Ketten am Brunnen, sodass auch Menschen das Wasser nutzen konnten“, so die Informationen der Stadtverwaltung.
Nach dem Ende des Viehmarktes im Jahr 1970 wurde der Brunnen an die Ecke Kuhsteig/Osterende versetzt und 2013 als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt. Im Laufe der Jahrzehnte allerdings hatten Witterung und Korrosion dem Bauwerk stark zugesetzt. Im September 2018 wurde es darum demontiert und später zur Restaurierung in eine Fachwerkstatt gebracht, wo unter anderem fehlende Zierelemente nach historischen Vorlagen ergänzt und eine hochwertige neue Schutzbeschichtung aufgetragen wurde.

Zudem wurde laut Angaben der Stadt die Wasserführung im Inneren instandgesetzt, um die ursprüngliche Funktion des Brunnens wiederherzustellen. Dies muss allerdings nach Aussage des Kreises nachgeholt werden, da einige Teile noch fehlen: „Die Inbetriebnahme wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.“ Auch die Aufstellung einer Infotafel stehe noch aus. Um die Gäste trotzdem über das Projekt „Tierbrunnen“ zu informieren, behalf man sich am Tag der offenen Tür mit einen provisorischen Schild.

Text: Pressemitteilung Stadt Husum / Heike Wells
Fotos: Heike Wells, Anke Steensbeck (2), Stadt Husum